BDP Babenhausen

Presse-Informationen - Oktober 2003


Pressemitteilung vom 19.11.2003

Ein Teil Heimatgeschichte erleben - Der jüdische Friedhof Babenhausen

Der BDP-Babenhausen lud im Zuge der Reihe POLITUR zu einem Rundgang auf dem jüdischen Friedhof in Babenhausen ein

Der Blick aus dem Fenster war ernüchternd. Ein nasskalter Sonntagvormittag, keine Spur von goldenem Oktober, vielmehr graue Tristesse. Wer würde wohl bei solchem Wetter der Einladung des BDP (Bund Deutscher PfadfinderInnen) folgen und den Weg auf den jüdischen Friedhof in Babenhausen finden? Und das durchaus im doppelten Wortsinn, da die Ruhestätte im Gegensatz zu ihrem sickenhöfer Pendant versteckt hinter hohen Hecken sich den Blicken möglicher Besucher entzieht.

Erfreulicher Weise gelang es ungefähr 20 Interessierten, das über 2000m² große Areal ausfindig zu machen. Früher weit außerhalb im Nordosten der Stadt gelegen, präsentiert sich der Friedhof heute inmitten eines Neubaugebietes, direkt neben dem Kindergarten in der Danziger Straße. An der Südseite des Grundstückes ermöglicht eine Pforte den Zutritt – wenn man zuvor auf dem Rathaus sich den entsprechenden Schlüssel besorgt hat. Oder, wie in diesem Falle, sich Herr Georg Wittenberger zu einer fachkundigen Führung bereit erklärt und das Öffnen übernimmt.

Mehrere Reihen recht unterschiedlicher Grabsteine präsentieren sich dem Besucher. Deutlich erkennt man verschiedene Gruppen. Während die älteren Steine, die zum Teil halb versunken gerade noch aus der Erde ragen, aus rötlichem Sandstein bestehen, wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend schwarzer Granit verwandt. Geduldig erläuterte Herr Wittenberger die Bedeutung der differenten Formen und Inschriften, machte auf Symbole und Ornamente aufmerksam. Besonders der Hinweis auf einen unscheinbaren, kleinen Grabstein löste Verwunderung bei den Anwesenden aus. Es handelt sich um das jüngste Grab des Friedhofes aus dem Jahre 1946, in dem ein Kind aus dem Displaced Persons-Lager in der Kaserne beerdigt wurde.

Wenn auch heute kein jüdisches Leben mehr stattfindet, so zeugt das Kulturdenkmal jüdischer Friedhof doch von einer lebhaften jüdischen Vergangenheit in und um Babenhausen - über mehrere Jahrhunderte hinweg. Selbst - oder gerade - bei launischem Herbstwetter.

Die nächsten Veranstaltungen der Reihe POLITUR des BDP-Babenhausen finden im BDP-Jugendcafé statt. Am 13. November 2003, um 20.00 Uhr, hält der Historiker Andreas Kilian einen Vortrag zum Thema „Zeugen aus der Todeszone - Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz“. Am 23. November 2003, um 15.00 Uhr, lädt der BDP zu einer Gesprächsrunde mit Pfarrerin Karin Greifenstein und Gästen zum Thema „Es gibt ein Leben nach dem Urteil - Erfahrungen aus dem Frauenknast“ ein. Der Eintritt ist jeweils frei.

Herr Wittenberger erläutert auf Einladung des BDP-Babenhausen die Besonderheiten des jüdischen Friedhofs in Babenhausen Herr Wittenberger erläutert auf Einladung des BDP-Babenhausen die Besonderheiten des jüdischen Friedhofs in Babenhausen.

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Nachfragen richten Sie bitte an Holger Köhn